Saturday, January 29. 2005
Dreidimensionales Gestalten
Friedrich Hölderlin sagt:
»Aber das Eigene muss genau so gut gelernt sein wie das Fremde«
Was ist aber das Eigene eigentlich?
Das Eigene, deutlicher im Begriff Eigentum zeigt einen Besitzstand an und leitet sich etymologisch aus Begriffen, wie
eigan ahd. agen (engl. own), „haben« oder »besitzen« her. Die
Eigenheit bzw. Eigenschaft beim Menschen werden als charakterliche Besonderheiten und Wesensmerkmale gesehen, die
Unterscheidungen ermöglichen. Hier erinnere ich an die in der ersten Vorlesung angesprochene Differenz, die Zweiheit,
die Unterschiede möglich macht und Zweifel hervorruft. Ende des 18. Jahrhunderts belebt sich in der Debatte um das
»Genie« der Begriff der Eigenheit aufs neue.
Friedrich Schiller erklärt hierzu, das wir unseren physischen Zustand, der durch die Natur bestimmt werden kann, gar
nicht zu unserem Selbst rechnen, sondern als etwas Auswärtiges und Fremdes zu betrachten hätten. Bestätigt wird die
leibfeindliche Auffassung Schillers durch den Obduktionsbericht vom 9. Mai 1805. Hier lesen wir: »die Lunge ist
brandig, breiartig und ganz desorganisiert, das Herz ohne Muskelsubstanz, die Gallenblase und die Milz unnatürlich
vergrößert, die Nieren in ihrer Substanz aufgelöst und völlig verwachsen." Doktor Huschke, der Leibmedicus des
Weimarer Herzogs fügt noch hinzu: »Bei diesen Umständen muss man sich wundern, wie der arme Mann so lange hat leben
können«. Schiller hatte selbst davon gesprochen, dass es der Geist sei, der sich seinen Körper baut. Der Idealismus
versuchte über den Geniekult, die Begeisterung, Be-Geisterung wörtlich genommen, begrenzte und beschwerliche
körperliche Eigenschaften und Bedingtheiten zu erweitern.
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